Schweden vermindert die Digitalisierung in den Grundschulen

Von | 10. Juli 2026

…. Auch in der Oberstufe und an den Gymnasien soll wieder auf traditionelle Unterrichtsmethoden, sprich Bücher, gesetzt werden. Aus diesem Grund müssen die schwedischen Schulbehörden neue Richtlinien ausarbeiten.

Die schwedische Regierung machte ihre Entscheidung, Vorschulen verpflichtend mit digitalen Geräten auszustatten, rückgängig. Die neue Position fusst wesentlich auf der Stellungnahme des Karolinska Instituts (LINK). (Übersetzung P. Hensinger und R. Lankau).

Quellen:

Quelle: https://mehrals0und1.ch/Argumente/WebHome


Der UNESCO-Bericht

Quelle: https://xn--die-pdagogische-wende-91b.de/unesco-bericht-zu-it-in-schulen-fordert-mehr-bildungsgerechtigkeit/

Aussagen im Bericht:

Statt einem pauschalen Smartphone- oder Handyverbot argumentiert das Unesco-Papier also deutlich differenzierter und formuliert konkrete Anforderungen und sogar Handlungsanweisungen an Lehrkräfte und Bildungseinrichtungen.

„Ein Verbot von Technologie in Schulen kann legitim sein, wenn die Integration von Technologie das Lernen nicht verbessert oder das Wohlbefinden der Schüler verschlechtert. Die Arbeit mit Technologie in Schulen und die damit verbundenen Risiken können jedoch mehr erfordern als ein Verbot.

Erstens sollten die Richtlinien klar festlegen, was in Schulen erlaubt ist und was nicht. Schüler können nicht bestraft werden, wenn es keine Klarheit oder Transparenz über ihr erforderliches Verhalten gibt. Entscheidungen in diesen Bereichen erfordern Gespräche, die durch fundierte Beweise gestützt werden, und die Einbeziehung aller, die ein Interesse am Lernen der Schüler haben.

Zweitens sollte Klarheit darüber herrschen, welche Rolle diese neuen Technologien beim Lernen spielen und wie sie von den Schulen und innerhalb der Schulen verantwortungsvoll eingesetzt werden.

Drittens müssen die Schüler die mit der Technologie verbundenen Risiken und Chancen kennen lernen, kritische Fähigkeiten entwickeln und verstehen, wie man mit und ohne Technologie lebt.

Wenn man Schüler vor neuen und innovativen Technologien abschirmt, kann das für sie von Nachteil sein. Es ist wichtig, diese Fragen mit Blick auf die Zukunft zu betrachten und bereit zu sein, sich anzupassen, wenn sich die Welt verändert.“ (S. 158)

Denn die zentrale Frage des Unesco-Berichts «Kann Technologie helfen, die wichtigsten Herausforderungen im Bildungssystem zu lösen?» lässt sich nur ambivalent und immer nur für den konkreten Einzelfall, abhängig vom Alter der Probanden, der Schulform, der Lernkultur u.v.m. beantworten. Diese Ambivalenz wird in den Empfehlungen aufgegriffen wenn es heisst (Auszug):

  • Der Ruf nach Personalisierung und Anpassung kollidiert mit der Notwendigkeit, die soziale Dimension der Bildung zu erhalten. (…) Was für die einen ein hilfreiches Lehr- und Lernmittel ist, kann für andere eine Belastung und Ablenkung sein.
  • Es besteht ein Konflikt zwischen Inklusivität und Exklusivität. Die Technologie kann für viele einen Rettungsanker in der Bildung darstellen. Für viele andere stellt sie jedoch ein weiteres Hindernis für gleiche Bildungschancen dar, da neue Formen der digitalen Ausgrenzung entstehen.
  • Die kommerzielle Sphäre und das Gemeingut ziehen in unterschiedliche Richtungen. Der wachsende Einfluss der Bildungstechnologie-Industrie auf die Bildungspolitik auf nationaler und internationaler Ebene gibt Anlass zur Sorge.
  • Im Allgemeinen wird davon ausgegangen, dass die Effizienzvorteile, die die Bildungstechnologie kurzfristig bietet, auch langfristig Bestand haben werden. (…). Die gesamten wirtschaftlichen und ökologischen Kosten werden jedoch in der Regel unterschätzt und sind nicht tragbar.
  • Die Bandbreite und die Fähigkeit vieler Menschen, Technologie zu nutzen im Bildungswesen sind begrenzt. Und es ist an der Zeit, die Kosten der Bildungstechnologie im Hinblick auf die ökologische Nachhaltigkeit zu bedenken und zu hinterfragen, ob diese Technologie wirklich die Widerstandsfähigkeit der Bildungssysteme stärkt.
  • Nicht jede Veränderung ist ein Fortschritt. Nur weil etwas getan werden kann, heißt das nicht, dass es auch getan werden sollte. Von Technologien, die für andere Zwecke entwickelt wurden, kann nicht unbedingt erwartet werden, dass sie für alle Bildungsbereiche geeignet sind.
  • Die Kampagne #TechOnOurTerms fordert, dass bei Entscheidungen über Technologien im Bildungsbereich die Bedürfnisse der Lernenden im Vordergrund stehen, (…) Die Technologie soll die menschliche Verbindung, auf der Lehren und Lernen beruhen, unterstützen, aber nicht ersetzen.
  • Der Schwerpunkt sollte auf den Lernergebnissen und nicht auf dem digitalen Input liegen. Um das Lernen zu verbessern, sollte die digitale Technologie die persönliche Interaktion mit den Lehrern nicht ersetzen, sondern ergänzen.

Um sich selbst einen Überblick über die Zielrichtung des Unesco-Papiers erarbeiten zu können, sind hier der Bericht und die Zusammenfassung verlinkt.

Die Zusammenfassung: Technology in Education – Summary – GEM Report – 2023 UNESCO (35 pages)

Ein Merkmal für Gift:
Dosisabhängigkeit: Grundsätzlich können alle dem Organismus zugeführten Stoffe ab einer gewissen Dosis Schaden anrichten; dies gilt sogar für unverzichtbare Substanzen wie Wasser oder Vitamine. Dies wird durch das Paracelsus-Prinzip „Alle Dinge sind Gift und nichts ohne Gift; allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei“ zusammengefasst.

-> Wesentliche Kernaussage: Eine Substanz ist nicht per se giftig oder ungiftig, sondern ihre Wirkung hängt von der aufgenommenen Menge ab. Selbst Wasser oder Nahrung kann zur Gift werden, wenn sie in zu großen Mengen konsumiert wird.

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